Geschichte

Lange bevor der Pfleger von Mittersill, Ignatz von Kürsinger, 1841 nach Neukirchen kommt um dem mächtigen Berg den Kampf anzusagen, befasst sich der Jäger aus Bramberg, Paul Rohregger, mit der Besteigung des Venedigers.

1810 muss es Rohregger alleine probieren. Zu groß ist bei den Bürgern die Angst vor dem Gletscher mit seinen Spalten. Mit zeitigem Aufstieg von der Aschamalm im unteren Sulzbachtal, zügig und mit wenig Pausen, strebt er dem Berg entgegen, im Unterbewusstsein die Gold suchenden Venedigermandeln, die dem Berg den Namen gaben. Über blankes Eis und hohe Eisbrüche geht es aufwärts. Die vom Neukircher Schmied angefertigten Steigeisen  erweisen sich als vortrefflich. Doch eine Nebelwand zieht auf und Rohregger muss umkehren.

Es ist Sommer 1828. Der volksnahe Erzherzog Johann von Österreich weilt mit seiner Gattin Anna Plochl, der Postmeistertochter aus Altausse, in Gastein auf Kur. Sie beschließen nach Krimml zu reisen um die Wasserfälle zu besichtigen. Nur ein Vorwand, denn der Erzherzog will auf dem Venediger stehen. In der Taverne zu Weierhof nimmt er Quartier und trifft Vorbereitungen. Durch Zufall trifft er auf den Jäger Rohregger. Sie beschließen vom Oberen Sulzbachtal aus zu gehen. Doch das Unternehmen steht unter keinem guten Stern. Eine riesige Lawine beendet das Unternehmen. Rohregger wird verletzt und schleppt sich noch mit eigener Kraft zu einer Almhütte.

1841, Rohregger ist ein Greis geworden, doch vom Mittersiller Pfleger wird er mit dem Auftrag betraut, noch einmal zu versuchen den Großen Sulzbacher zu besteigen. Rohregger und Kürsinger stellen eine Mannschaft zusammen, alles furchtlose Männer aus der Umgebung. Das Unternehmen soll zum ruhmreichen Erfolg führen.  Zwei Führer  tragen eine Fahne, die Kürsinger anfertigen ließ, der Hausstad Sepp und der Abelhofsohn aus Neukirchen. Die Gesellschaft wird zur Nächtigung auf zwei Almhütten aufgeteilt. Nach Mitternacht ist Aufbruch zum  Marsch ins Ungewisse. Oberhalb der Stierlahner Wand wird noch einmal Rast gemacht, Speck gegessen und Wein getrunken. Mag der Geist noch so willig sein, doch einige müssen trotz Branntwein aus Erschöpfung umkehren. Von den 40 Teilnehmern sind nur 26 siegreich, 14 bleiben auf der Strecke. Somit ist er bezwungen, der Venediger. Noch nie, solange die Welt steht, hat ein Mensch diese eisige Stille gestört.

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Dieser 3. Sept. 1841 ist ein historischer Tag und ein Meilenstein im Fremdenverkehr. Nach der Erstbesteigung und der Errichtung der ersten Schutzhütte durch den Jäger Paul Rohregger beginnt die Bergsteigerei in unserem Gebiet. Der wahre Aufschwung beginnt mit der Pinzgauer Bahn, wobei sich der Hauptbahnhof  in Rosental befindet. Die Bergsteiger nächtigen beim Rosentalwirt und treten am nächsten Morgen den langen Fußmarsch zur Kürsinger Hütte an.

Am 03. September 1891  besteigt das Fabrikantenehepaar Nicolaus und Maria Gärtner aus Thalgau zum 50jährigen Jubiläum der Erstbesteigung mit Neukircher Bergführern den Gipfel.